Was macht eigentlich ein ND-Filter?

Graufliter ND-Filter

Was macht eigentlich ein ND-Filter?

Folge FOSA oder teile den Artikel:
onpost_follow

Was macht eigentlich ein ND-Filter?

In der Fotografie hat ein Graufilter oder auch ND-Filter (ND = Neutraldichte) die Aufgabe die Umgebung künstlich abzudunkeln.  Wie bei einem Schweißer der sich den Helm mit dem dunklen Glas aufsetzt, damit er in den Schweißblitz reinschauen kann, ohne zu erblinden.

Man schraubt ihn vor sein Objektiv und verlängert somit künstlich die Belichtungszeit. Aber warum sollte man dass denn wollen? Geht es in der Fotografie denn nicht darum, dass man soviel Licht wie Möglich zur Verfügung hat? Ich sage mal, es geht darum dass man soviel Licht wie nötig zur Verfügung hat.
Es gibt unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten für einen ND-Filter. Hier sind mal ein paar aufgeführt:

  1. Die Verschlusszeit deiner Kamera ist nicht kurz genug für die helle Umgebung
  2. Du möchtest in deiner Natur-/Landschaftsaufnahme einen weichen Wasserverlauf
  3. Du brauchst am Tag eine Langzeitbelichtung um „störende Objekte“ zu entfernen

Zu 1.)

  • Beispiel 1:
    Sagen wir mal du hast dir eine neue Kamera gegönnt, zum Beispiel eine Nikon D750. Du möchtest damit nun Outdoor-Portraits shooten und hast dir noch eine hochgeöffnete Festbrennweite dazu gekauft. f/1.8 oder sogar f/1.4. Natürlich möchtest du die große Blendenöffnung auch nutzen um die Person vom Hintergrund freizustellen. Es kann dir passieren dass du Tagsüber leider nicht sehr weit damit kommst, da tendentiell alle Bilder überbelichtet sind. Wieso? Die Nikon D750 schafft nur eine Verschlusszeit von minimal 1/4000 Sekunde. Das kann zu langsam sein, je nach Wetter und trotz niedriger ISO Einstellung.
    Hier kommt der ND-Filter zum Einsatz. Wenn du der Kamera damit Licht „klaust“, kommst du mit der 1/4000 sek. gut zurecht.
  • Beispiel 2:
    Du hast dir eine ältere, analoge Kamera gekauft. Diese hat eine minimale Verschlusszeit von nur 1/2000 oder sogar nur 1/1000 Sekunde. Wenn du dort einen Film einlegst setzt du dich auf eine ISO-Zahl fest. Diese ist fix und du kannst die Helligkeit nur über die Blende und die Verschlusszeit steuern. Hier kann es ebenfalls passieren, dass die Umgebung für offene Blenden zu Hell wird. Nicht alle Motive will man mit Blende 16 fotografieren. Der ND-Filter rettet dir wieder den Fototag

Zu 2.)

Du kennst diesen coolen Look von Naturaufnahmen, wenn da weiches, fließendes Wasser zu sehen ist, das fast schon unnatürlich wirkt? Wenn du die Belichtungszeit mit Hilfe eines Graufliters künstlich verlängerst, bewegt sich das Wass während der Aufnahme logischerweise weiter. Dadurch kommt es zu diesem Effekt.

Weiches Wasser durch eine Langzeitbelichtung mit Hilfe eines ND-Filters. Zusätzlich wurden die Reflexionen der Wasseroberfläche mit einem Polarisationsfilter minimiert.

Zu 3)

Gehen wir mal davon aus du gehst durch eine Stadt und siehst ein cooles Gebäude oder einen schönen Platz. Du willst davon ein Foto machen, doch irgendwie stören dich all die Leute drum herum. Im Prinzip nichts Schlimmes. Personen im Bild können auch eine gute Bezugsgröße sein, um zu zeigen wie groß oder klein etwas anderes im Bild ist. Auch hier hilft eine Langzeitbelichtung.

Wenn du nun eine gute Position hast und die Belichtungszeit stimmt, dann sind die Menschen so gut wie verschwunden.

Hier siehst du das Menschen, die sich schnell durch das Bild bewegen, fast verschwunden sind. Menschen die stehen oder sitzen, sind erkennbar.

Abstufungen und Bezeichnungen

ND-Filter gibt es in verschiedenen stärken. Diese werden in Neutraldichte, Verlängerungsfaktor (Zum Beispiel eine dreifache Verschlusszeit) oder Blendenstufe (wenn du theoretisch die Blende noch weiter schließen würdest) angegeben. Hier siehst du einen Vergleich zwischen verschiedenen Filtern:

  • Kein Filter –> Lichtdurchlässigkeit 100% –> Verlängerungsfaktor 1 –> 0 Blendenstufen
  • ND 0.3 –> 50% Lichtdurchlässigkeit –> Verlängerungsfaktor 2 –> Eine Blendenstufe
  • Filter mit ND 0.9 –> 12.6% Lichtdurchlässigkeit –> Verlängerungsfaktor 8 –> 3 Blendenstufen
  • ND 3.0 –> 0.1% Lichtdurchlässigkeit –> Verlängerungsfaktor 1000 –> 10 Blendenstufen

Abschluss

Du siehst also dass ein ND-Filter der Kamera Umgebungslicht nimmt. Das kann ein Gestaltungsmittel sein oder ein Hilfsmittel. Ich persönlich nutze diese gerne in der Stadt. Die umherirrenden Menschen geben einem Bild Dynamik. Das mag ich.

Der Fotograf und die Radfahrerin werden durch die Langzeitbelichtung gut von der Gruppe separiert.

 

Tipp: Achte beim kauf eines ND-Filters darauf dass er keinen Farbstich verursacht. Besonders günstige ND-Filter neigen dazu. Gute Erfahrungen habe ich mit den Herstellern HaidaSchneider Kreuznach (B+W) und NISI (Amazon Links).
Spare nicht am falschen Ende. Ein schlechter Filter kann dich viel von der Bildqualität kosten und du ärgerst dich über das rausgeworfene Geld. Spare lieber ein oder zwei Monate länger.

Cheers,
Andreas

Könnte dich auch interessieren: Was macht eigentlich ein POL-Filter?

Folge FOSA oder teile den Artikel:
onpost_follow

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Keine Sorge, wir nehmen deine Privatsphäre sehr ernst und die Verwendung von Cookies soll dir lediglich ein besseres Surferlebnis ermöglichen. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest, durch die Seite scrollst oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen